Immer mehr Kriminalität findet im Internet statt: Das stellt auch staatliche Ermittler und Behörden vor neue Herausforderungen. Nicht selten werden dabei Datenschutzrechte massiv mit Füßen getreten. Derweil findet in der Nähe der US-amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. eine Messe für Programme und Codes statt, die die Online-Ermittlung verbessern sollen: Computer, Handys und Emails sind längst nicht mehr sicher – und das keineswegs wegen ein paar Hackern oder Viren.

Bundestrojaner, Foto: maha-online_flickr
Auch in Deutschland ist der Einsatz solcher elektronischer Überwachung längst an der Tagesordnung: Dem Chaos Computer Club wurden kürzlich ein paar dieser staatlich genutzten Programme zugespielt. Ihr Resümee erinnert ein bisschen an “1984″ oder “Brave, new world”: Der “Staats-Trojaner” kann Internet-Telefonate abhören, Tastatureingaben aufzeichnen, Material von oder auf die eigene Festplatte kopieren und sogar den Bildschirm abfotografieren. Damit verstößt er gegen gesetzliche Vorgaben: Eigentlich darf nur die laufende Kommunikation, also etwa ein Online-Telefonat, mitgeschnitten werden, ruhende Dateien auf der Festplatte etwa dürfen nicht kopiert werden – nur wenn im jeweiligen Fall eine Gefahr für Leib, Leben oder Staat vorliegt. Genau dazu ist der deutsche “Staats-Trojaner” aber in der Lage. Es ist mehr als zweifelhaft, dass die Online-Ermittler auf diese eigentlich illegalen Methoden verzichten, wenn das Programm ihnen die Möglichkeit dazu bietet. Deutschland ist dabei kein Einzelfall, in vielen Ländern kommen solche Trojaner zum Einsatz. Auch Anti-Virus-Programme reagieren meist nicht auf diese ausgefuchsten Codes.
Ob eine verkaufte Software nur zu legalen Zwecken oder gar zur Staats-Spionage oder zum Rufmord eingesetzt wird, ist für die Sicherheitsfirmen oft kaum zu erkennen – das macht ihr Geschäft mit Spionage-Software sehr kompliziert. Das Schlagwort lautet hier: Cyberwaffen. Auch die deutsche Bundeswehr zählt nach Land, Wasser, Luft und Weltraum den Cyberspace zum ihrem fünften Operationsraum. Mittlerweile fordern Experten sogar ein internationales Abkommen zur Ächtung von Cyperwaffen, ähnlich wie bei ABC-Waffen. Doch in der Realität lässt sich das kaum umsetzen: Während eine Atom-Bombe real sichtbar ist, bleiben die meisten Cyperwaffen auf ewig unsichtbar im Netz oder auf Festplatten verborgen.
Bleibt noch eine Frage: Wo genau liegt eigentlich noch der Unterschied zwischen einem Trojaner, der von einem Hacker geschrieben wurde, und einem anderen, der von einer staatlichen Behörde oder dem Militär benutzt wird? Warum wird der eine mit Gefängnis bestraft und der andere mit viel Geld belohnt?